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  • Amy Winehouse | Amy Winehouse 03.12.2008 | Amy Winehouse - Biografie
    Amy Winehouse, Amy Winehouse - Biografie
    2004, als Amy – noch ohne Bienenkorb auf dem Kopf - gerade dabei war, ihr international gefeiertes und mit Platin ausgezeichnetes Debütalbum „Frank“ zu präsentieren, begann das spätere Rebelgirl des Souls bereits damit, sich Gedanken über den Nachfolger zu machen. „Frank“ war Amys großes, ungeschminktes und absolut direktes „Trennungs-Album“ gewesen, ein Album, das zwar auch ein paar bittere Momente bereithielt, das aber stets vom unfassbaren Charme ihrer Stimme getragen wurde. Bereits mit „Frank“ hatte Amy eine weltweite Fanbase für sich gewinnen können, sie war im Handumdrehen zu einer der herausragenden neuen Stimmen der Popwelt avanciert. Ihre Musik gab tiefe Einblicke in ihr Wesen, ihre Songs waren absolut natürlich, und in ihnen schlummerte zudem eine sehr seltene Kombination aus Humor und „Soul“. Amy hatte dem Erbe der großen (Soul-)All-Stars ihren ganz persönlichen Jazz-Witz aufgedrückt und damit ganz beiläufig den Kern des Menschseins getroffen. Wie aber sollte sie nun weitermachen?

    Musikalisch war sie sich von Anfang an sicher. Amy wusste ganz genau, in welche Richtung die klangliche Reise als nächstes gehen sollte. „Ich wollte nicht mehr allzu tief in den Jazz-Bereich eintauchen. Das hatte ich schließlich schon auf dem Vorgänger gemacht“, berichtet sie heute, während sie es sich in der Ecke ihrer Lieblingskneipe in Camden gemütlich macht. „Ich hatte einfach keine Lust mehr auf die ganzen komplizierten Songstrukturen, und ich brauchte stattdessen etwas ganz Simples! Etwas Zugängliches. Als ich anfing, mir über die zweite Platte Gedanken zu machen, hörte ich gerade unwahrscheinlich viele Girl-Groups aus den Fünfzigern und Sechzigern. Was grandios war, denn deren Songs waren durch und durch einfach gestrickt. Simples Zeug. Und so begann ich, auch meine eigenen Songs ein wenig klarer und simpler zu strukturieren.“ Besagte Ausrichtung kann man bereits in dem an die Supremes erinnernden Intro von „Back To Black“, ihrem zweiten Album, raushören. Aber damit noch nicht genug: Während sich besagte Girl-Groups aus früheren Dekaden, denen sie zeitweilig verfallen war, stets auf ihre Stimmen konzentrierten, kann Amy zugleich wie eine Aretha Franklin klingen („Just Friends“) oder aber einen Gospel- bzw. Spiritual-Song mal eben gänzlich trockenlegen, wie im Fall von „Rehab“ geschehen, dem Eröffnungsstück des kommenden Albums. Die konsequente Frage lautet also: Welche andere britische Sängerin vollbringt es bitte, die ersten Textzeilen ihres Albums – „try to make me go to rehab/I say no, no, no“ – in eine Art Kirchen-Pop-Rundumschlag zu verwandeln?

    Mit ihrem klassischen Rüstzeug ausstattet – bestehend aus einer Akustikgitarre, einer unbedingt lebensnotwendigen Schachtel Kippen und einem Kopf (Bauch?) voller Ideen –, machte sich Amy also an die Arbeit: Sie wollte diejenigen Erfahrungen, die sie seit der Veröffentlichung von „Frank“ gesammelt hatte, endlich in etwas Greifbares, sprich: in Songs, umwandeln. Dazu muss man wissen, dass Amy immer dann zu Höchstform aufläuft, wenn sie sich mit Geschichten aus ihrem eigenen Leben befasst: „Wenn ich es nicht am eigenen Leib erlebt habe, dann kann ich daraus auch keinen Song machen. So einfach ist das. Für mich muss ein Song einfach autobiographische Züge haben.“ So verwundert es kaum, dass Amy den kreativen Prozess mit Tagebuchschreiben vergleicht. „Man könnte fast schon von einem Exorzismus sprechen. Ich lasse einfach alles raus. Wenn ich diesen Kanal nicht hätte, um meine Erfahrungen zu verarbeiten, wäre ich absolut verloren.“ Das Wort „verloren“ hat für Amy genau diejenige Bedeutung, die es auch schon für die unvergessenen Soul-Größen früherer Dekaden hatte: Um das zu erkennen, muss man sich nur auf die herzzerreißende Metaphorik des raffinierten „Love is a Losing Game“ einlassen. Der Song ist beispielhaft für Amys Songwriting: bündig, auf den Punkt gebracht und – wichtiger noch – ausnahmslos von ihren Gemütsbewegungen durchzogen.

    Kommen wir also zu den Gefühlen, die Amy auf ihrem neuen Album artikuliert. Nur: Wo soll man anfangen? Bei dem NAS-Konzert vielleicht, das sie dann doch nicht sehen konnte, weil ihr irgendein Typ kein Ticket organisiert hatte? Wie bitte schafft man es, aus einer solchen (alltäglichen?) Episode eine Geschichte zu stricken, die von Frauen und Macht handelt, wie sie es im Fall von „Me and Mr. Jones“ bewerkstelligt? Oder bei der ewigen Dreiecksbeziehung, bestehend aus ihr, einem Exfreund, der sich schon frühzeitig als Verlierer herausstellte, und einem weiteren Typen, der ihren Namen – umrahmt von einem Herzen – als Tattoo auf dem Körper trägt? Oder beim Herzschmerz, ganz allgemein? Bei demjenigen Gefühl, das sich einstellt, wenn man frisch verliebt ist? Oder doch lieber beim epiphanieähnlichen Hochgefühl, das man immer dann in seiner Brust trägt, wenn man plötzlich realisiert, dass man selbst haargenau dieselben Fehltritte machen kann, für die man seine Mitmenschen stets verachtet hat (wie sie ganz unverblümt auf „I’m No Good“ berichtet)?

    Für die Aufnahmen, die zu ihrem zweiten Album „Back To Black“ führten, tat sie sich erneut mit „Frank“-Produzenten Salaam Remi zusammen. Sie flog für zwei Wochen ins warme Miami. Schnell stellte sich die schon einmal erlebte Magie zwischen ihnen ein und quasi zwischen Tür und Angel waren die Aufnahmen im Handumdrehen erledigt. Direkt im Anschluss ging’s weiter nach New York, wo sie mit Überflieger-Produzenten Mark Ronson arbeitete, der zeitgleich an den Alben von Lily Allen, Robbie Williams und Christina Aguilera schraubte. In der insgesamt dreiwöchigen Aufnahmephase geschah laut Amys Aussage folgendes: Sie konnte ihren neuen (Retro-)Ansatz überdenken und präzisieren, indem sie ihre Vorliebe für klassische Girl-Groups zwar im kreativen Prozess mit einbezog, ihren Sound allerdings einzig und allein im hypermodernen Jetzt verankerte. „Heute bin ich mir gar nicht mehr sicher, wie wir es in der kurzen Zeit überhaupt geschafft haben, eine derartig schlüssige und runde Platte aufzunehmen. Damals, zu Beginn der Aufnahmephase, wusste ich es jedoch genau, als ich mich dazu entschloss, alles in nur wenigen Wochen in den Kasten zu bekommen. Da war ich mir absolut darüber im Klaren, wie der Sound zu sein hatte.“ Sämtliche Songs, die Amy auf ihrem 2. Album präsentiert, bewegen sich im klassisch-dreiminütigen Pop-Rahmen. Nichts ist hier zu dick aufgetragen. „Back To Black“ ist ein in sich geschlossenes Werk, das man am besten am Stück durchhört.

    Doch Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander. Davon kann auch Amy Winehouse ein Lied singen. Es heißt:
    „I Told You I Was Trouble“.
    Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht einen Skandalmeldung und ein Paparazzi-Shot mit einer desolaten Wino in der Regenbogenpresse zu finden ist. Die junge Souldiva macht aus ihrer Lieblingsbeschäftigung – dem maßlosen Konsum von Drogen und Alkohol - keinen Hehl. Was von der Öffentlichkeit anfangs noch amüsiert zu Kenntnis genommen wird, gibt schnell Anlass zur Sorge. Konsequent lehnt Amy den Aufenthalt in einer Entziehungsklinik ab. Stattdessen tauchen im Internet Videos auf, die sie beim Rauchen einer Crack-Pfeife zeigen. Die Sängerin verliert zunehmend an Gewicht. Im Mai 2007 heiratet sie den Mann, der Gegenstand ihrer Herzschmerz-Songs auf „Back To Black“ ist: Blake Fielder-Civil. Doch auch mit ihrem Traummann an der Seite stürzt Amy weiter ab. Im November 2007 wird Blake Fielder-Civil wegen Körperverletzung und Behinderung der Justiz verhaftet. Die zierliche Soulprinzessin bricht zusammen, die Abstände zwischen den Drogenexzesse werden kürzer, bei den Verhandlungen im Gerichtssaal ist Amy stets zugegen, um ihrem Blake mit gehauchten Liebesschwüren Mut zu machen. Während das private Glück am seidenen Faden hängt, geht es auf der Karriereleiter steil nach oben. Karl Lagerfeld lässt seine Models mit Bienenkorb-Frisur den Laufsteg entern, Amy wird zur Stilikone. Sie räumt alle renommierten Musikpreise ab – von den Brit Awards über den Ivor Novello bis hin zu einem MTV Europe Music Award. Den Höhepunkt markiert die Auszeichnung mit fünf Grammys.

    Die mediale Aufmerksamkeit scheint Amy zu überfordern. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Ihre Auftritte werden rar. Zum 90. Geburtstag von Nelson Mandela im Juni 2008 steht sie jedoch wieder auf der Bühne und brilliert mit einer sensationellen Performance. Während sich die 23-Jährige danach eine Pause gönnt, wird bei Madame Tussauds eine Wachsfigur der Soulsängerin enthüllt. Nach gerade mal zwei Jahren im Showbiz ist dies eine besondere Ehre.
    Allein in Deutschland verkauft sich „Back To Black“ über 1 Million mal. Doch während es beruflich nicht besser laufen könnte, kommt es im November 2008 zum großen Knall. Nach einem Jahr wird Blake Fielder-Civil aus dem Gefängnis entlassen. Anstelle eines rührseeligen Wiedersehens gibt Amy Winehouse die Trennung bekannt.
    "Es ist vorbei. Es gibt für uns jetzt kein Zurück mehr. Es hätte ja sowieso niemals gehalten."

    Bleibt zu hoffen, dass die zarte Künstlerin das Liebesaus verkraftet. Obwohl. Mit einem gebrochenen Herzen schreibt Amy Winehouse eigentlich die besten Songs...

Top Video

Amy Winehouse Amy Winehouse - Just Friends
Amy Winehouse Amy Winehouse - Just Friends

Releases

  • Amy Winehouse | Frank (LP) Tonträger Audio Format: LP Album
    Solo: Amy Winehouse
    VÖ: 18.07.2008 VÖ: 2008 Label: Island | LP Bestellnr.: 0602517762411 Island

Releases Single

  • Amy Winehouse | Back To Black (2-Track) (CD Single) Tonträger Audio Format: CD Single
    Artist: Amy Winehouse
    VÖ: 07.03.2008 VÖ: 2008 Label: Island | CD Single Bestellnr.: 0600753064603 Island

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